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Severity Rating durchführen

Aus PQWiki


SE-Disziplin

Bereich

Schnelligkeit
★★★
Einfachheit
★★★
Agilität
★★☆

Ziele

* Bewerten und Priorisieren von Usability Problemen

Motivation/Problemstellung

Bei der Entwicklung einer Software bzw. Verbesserung eines existierenden Produkts treten häufig Usability-Probleme auf. Diese Probleme können bei einem Usability Walkthroug oder Review (vgl. Usability-Review durchführen) aufgedeckt und in Form einer Liste festgehalten werden. Beim Durchführen eines Severity Ratings werden systematisch anhand verschiedener Usability-Kriterien gefundene Issues bewertet und nach ihrer Dringlichkeit Priorisiert.

Kurzbeschreibung

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Grundlage des Severity Ratings ist ein Usability Walktrhough. Beim Usability Walktrough handelt es sich um eine Expertenevaluation der Gebrauchstauglichkeit, welche an einem fertigen Produkt aber auch schon an Prototypen angewendet werden kann. Grundsätzlich kann die Methode auch ohne die dedizierten Benutzer durchgeführt werden, jedoch kann das Ergebnis verbessert werden, indem repräsentative Benutzer an der Evaluation teilnehmen.

Im Allgemeinen ist ein Usability Walkthrough ein angeleitetes Vorgehen, um sich in dedizierte Benutzer hineinzuversetzen oder die Gedanken dieser während der Interaktion mit der Software zu erfassen. Ziel ist es, so viele Usability Isssues wie möglich aufzudecken. Unter den Begriff Usability Issue fallen sämtliche Auffälligkeiten der Benutzungsschnittstelle, welche die Usability negativ beeinflussen können.

Um so viele Usability Issues wie möglich aufzudecken ist es wichtig, dass die Teilnehmer explorativ die Funktionalität der zu evaluierenden Benutzungsschnittstelle erfahren. Dabei wird die komplette Benutzungsschnittstelle in Betracht gezogen und nicht nur die zur Erfüllung der Aufgabe notwendigen Ausschnitte.

Prinzipiell kann ein Usability Walkthrough während des gesamten Software Entwicklungszyklus angewendet werden.

Nachdem der Usability Walkthrough durchgeführt wurde, werden die gefundenen Usability Issues von Usability Experten intern reflektiert und je nach Kritikalität bewertet und jeweils eine mögliche Behebung der einzelnen Usability Issues vorgeschlagen.

Input

* Prototyp, Softwareentwurf, oder existierende Software * Usability Issue Liste

Output

* Bewertung und Priorisierung der Issues

Rahmenbedingungen

Rolle (Ausführender)

User Experience Engineer, Evaluatoren

Werkzeuge, Hilfsmittel

Excel

Vorkenntnisse und Erfahrungen

Kenntnisse im Bereich Usability

Ort und Umgebung

Büro oder Meetingraum

Weitere Teilnehmer

(optional) Repräsentanten aus den einzelnen Klassen von Benutzern

Voraussichtliche Dauer

3-4 Stunden

Vorgehensweise

Vorbereitung

Die Abbildung zeigt die Prozessbeschreibung eines Usability Walkthrough. Dieser startet mit der Beschreibung von repräsentativen Klassen von Benutzern (Personas), typische Anwendungsfälle (Use Cases oder Steps), die leere Usabillity Issue Liste, das Informationssystem sowie die Teilnehmer der Evaluation:
  • Personas: Durch die Beschreibung von Repräsentanten der jeweiligen Klassen von Benutzern ist es den Usability Experten möglich, sich in die Benutzer hineinzuversetzen. Die kollaborative Erstellung dieser Beschreibungen ermöglicht eine realistische Abdeckung dedizierter Benutzer.
  • Anwendungsfälle: Einerseits sollen Anwendungsfälle (Use Cases) eine große Menge an Funktionalität der Benutzungsschnittstelle abdecken (generisch), aber gleichzeitig müssen diese so konkret wie möglich sein. Dadurch sind die Teilnehmer der Evaluation nicht durch die Interpretation der Arbeitsaufgabe abgelenkt und können die volle Aufmerksamkeit der Benutzungsschnittstelle widmen.
  • Usability Issue Liste: Die leere Usability Issue Liste gewährleitet das effiziente erfassen der einzelnen Issues während der Evaluation. In späteren Schritten kann dadurch eine übersichtliche und nachvollziehbare Bewertung durchgeführt werden. Eine Usability Issue Liste enthält für jedes Issue eine Eindeutige Nummer, die Task-ID des Use Case, die Nummer des Screens auf dem das Issue aufgetreten ist, eine Beschreibung des Issues, die Gesamtkritikalität die sich aus den vier Faktoren Häufigkeit (frequency), Problemeinfluß (impact), Persistenz (persistence) und Erscheinungsform (manifestation) zusammensetzt (vgl. Tabelle 1), eine Kategorie (optional) sowie einen möglichen Lösungsvorschlag für das gefundene Issue.
  • Informationssystem (oder Prototyp)
Die Benutzungsschnittstelle muss zum Zeitpunkt der Evaluation zur Verfügung stehen. Der Funktionsumfang sollte dabei mindestens die zuvor definierten Anwendungsfälle (prototypisch) abdecken können.

Durchführung


Im ersten Schritt werden die allgemeinen Informationen (Datum, Uhrzeit, name des Moderators und der Teilnehmer) des jeweiligen Usability Walkthrough durch den Moderator in der Usability Issue Liste erfasst und dokumentiert.

Danach führen die Teilnehmer die einzelnen Anwendungsfälle durch. Für die Teilnehmer ist es wichtig, sich vorzustellen, wie sich der dedizierte Benutzer verhalten würde. Dazu dienen die vorher definierten Benutzerprofile – die Personas. Wenn ein Usability Issue aufgedeckt wurde, so wird dieser in die Usability Issue Liste aufgenommen. Nachdem die Anwendungsfälle abgearbeitet wurden, sind alle Usability Issues in der Liste dokumentiert. Danach betrachten die Usability Experten die einzelnen dokumentierten Issues und bewerten diese noch ihrer Kritikalität, welche sich aus den Faktoren Häufigkeit (frequency), Problemeinfluß (impact), Persistenz (persistence) und Erscheinungsform (manifestation) zusammensetzt. Jeder dieser Faktoren wir auf einer Skala von 1 bis 3 Bewertet.

Die Gesamtkritikalität berechnet sich aus dem gerundeten Mittelwert aus den vier Einzelfaktoren). Einzige Ausnahme ist Manifestation – ist dieser wert als „hoch“ eingestuft, so ist die Gesamtkritikalität ebenfalls hoch.

Je nach verfügbarer Zeit können für alle gefunden Issues Lösungsvorschläge erarbeitet werden, oder aber nur für die kritischsten.

Nachbereitung

-

Gütekriterien/Empfehlungen

-

Risiken

Der Moderator sollte entsprechende Erfahrung zur Identifizierung, Dokumentation und Bewertung von Usability Issues haben.

Einordnung in das PQ4Agile-Qualitätsmodell

Schlagworte

Walkthrough, Inspection, Rating

Weiterführende Informationen

Literatur

* Jakob Nielsen: Usability Engineering. Morgan Kaufmann, San Francisco 1994.
  • Robert L. Mack , Jakob Nielsen: Usability Inspection Methods. Wiley John & Sons, New York 1994