Aktionen

Produktphilosophie erstellen

Aus PQWiki


Schnelligkeit
★★★
Einfachheit
★★☆
Agilität
★★★

Ziele

* Erleichterte Kommunikation zwischen Stakeholdern
  • Designentscheidungen erleichtern/rechtfertigen

Motivation/Problemstellung

Häufig gehen die Ziele unterschiedlicher Stakeholder stark auseinander. Entwickler verfolgen beispielsweise ganz andere Ziele als das Marketing oder der Product Owner. Dies wird zusätzlich herausfordernder, wenn strategische Zielstellungen, über verschiedenen Produkte hinweg, konsistent realisiert werden sollen. Die Produktphilosophie dient der Vereinheitlichung dieser Ziele um eine gemeinsame Sicht bzw. Vision auf das zu entwickelnde Produkt zu erlangen und Designentscheidungen zu erleichtern.

Kurzbeschreibung

Produktphilosophie.png
Die Best Practice „Produktphilosophie erstellen“ unterstützt die Definition und Bewertung von Faktoren der User Experience einer Softwareanwendung. Sie wird im Rahmen agiler Projekte hauptsächlich zur Entscheidungsunterstützung bzw. Priorisierung durch das Team und als Kommunikationsmedium zwischen involvierten Stakeholdern verwendet. Dabei wird insbesondere der Trade-off zwischen funktionalen Features und User-Experience-Features aufgelöst. Je nach Softwaretyp gibt es verschiedenen Vorlagen (sog. Templates), die verwendet werden können.

Die Abbildung zeigt das Mobile Template der Produktphilosophie, bei dem es vordefinierte Attribute gibt, auf die man sich in den ersten Sprints einigt. Dahinter steckt jeweils eine Erklärung der Bewertung bzw. die Unterstützung durch Beispiele. Die Wertepaare und die Bewertung geben hierbei an, welchen Eindruck die Software vermittelt bzw. vermitteln soll. Beispielsweise besagt die Produktphilosophie in der Abbildung, dass das zu entwickelnde Produkt einem individuellen Look & Feel folgen soll. Dies bedeutet, dass es bei Entscheidungen hinsichtlich des Interaktionskonzepts und der Benutzeroberfläche eher ein individuelles Look & Feel (z.B. Company CI/Guidelines) verfolgt werden, anstatt Standards der Plattformen zu benutzen. Der Entwickler erhält durch die jeweilige Ausprägung eine Idee, in welchem Maße die genannten Aspekte zu berücksichtigen sind. Darüber hinaus fällt es ihm leichter, Designentscheidungen zu rechtfertigen, da er sich auf die Vorgabe auf der Produktphilosophie beziehen kann.

Die Best Practice „Produktphilosophie erstellen“ verbessert die Kommunikation zwischen UI-Verantwortlichen, Vertrieb und Entwicklern. Insbesondere unterstützt sie Entwicklerteams bei kontinuierlicher Anwendung dabei, systematisch eine spezifische User Experience in das fertige Produkt zu „injizieren“. Um dies zu erreichen, können z. B. einzelne User Stories auf die Attribute gemappt werden. Einen besonderen Nutzen erzielen Unternehmen, wenn sie die vorhandenen Templates vor der Verwendung auf ihre konkreten Bedürfnisse anpassen. Verschiedene Templates, die den unterschiedlichen Anwendungsarten (z. B. Mobile, Security, Software Renovation) gerecht werden, stehen zur Auswahl.

Input

* Funktionale und nicht-funktionale Anforderungen

Output

* Produktphilosophie und deren Bewertung

Rahmenbedingungen

Rolle (Ausführender)

Requirements Engineer / User Experience Engineer

Werkzeuge, Hilfsmittel

IESE ProPhi App

Vorkenntnisse und Erfahrungen

Übersicht über verfügbare Attributpaare und Templates zur Erstellung der Produkt Philosophie

Ort und Umgebung

Meetingraum

Weitere Teilnehmer

Repräsentanten aller bzw. der wichtigsten Stakeholder

Voraussichtliche Dauer

1 Stunde

Vorgehensweise

Vorbereitung

Die Produktphilosophie wird in gemeinsam mit allen relevanten Stakeholdern (Vertrieb, Marketing, Entwicklung, Product Owner, etc.) durchgeführten Workshops erstellt. Hierzu werden im Vorfeld existierende Dokumente (Marketing Material, Dokumentationen, ggf. Anwendung im Vorfeld testen) gesichtet um einen guten Überblick über generelle Unternehmensphilosophie und Markenkommunikation zu erhalten. Werte, die das Unternehmen vermitteln will sollten sich in gewissem Maße auch in der Software wiederfinden können. Sofern vorhanden, sollten ebenso existierende Dokumente des konkreten Produktes, das entwickelt wird analysiert werden, um idealerweise eine erste Einschätzung der Software vornehmen zu können. Die Fraunhofer ProPhi App stellt verschiedene Vorlagen zur Verfügung die zur Erstellung der Produktphilosophie genutzt werden können. U.a. gibt es ein Mobile-Template zur Entwicklung von Mobilen Anwendungen, ein System Renovation Template welches zum Einsatz bei der Renovierung von Anwendungen kommen kann. Jedes dieser Templates besteht aus einer Menge von Attributpaaren die gemeinsam mit dem Kunden Bewertet werden (vgl. Abbildung). Jedes dieser vordefinierten Templates enthält eine Beschreibung der Attributpaare sowie der entsprechenden Skalen. Somit ist es auch unerfahrenen Personen möglich eine Bewertung vorzunehmen. Je nach Produkt und Projektkontext ist eines der Templates auszuwählen.

Durchführung


Nach Auswahl des Templates können gemeinsam mit dem Kunden vor Ort, oder bereits vorab weitere, eigene Attributpaare ergänzt werden. Basierend auf den zuvor untersuchten Materialien können sowohl negativ- als auch positiv-Attribute abgeleitet werden. Hierbei ist zu beachten, dass ein Attributpaar nicht aus gegensätzlichen Attributen besteht sondern aus Attributen die in einem Spannungsverhältnis zueinander stehen. Bei dem Kunden vor Ort wird in einem ersten Schritt die Bedeutung der Attributpaare erläutern und in einem nächsten Schritt mit allen anwesenden Stakeholdern die Bewertung durchgeführt. Die Bewertung kann nur das existierende Produkt, das neu zu entwickelnde Produkt oder die vorher-nachher Situation dokumentieren. Wichtig ist, dass alle eingeladenen Stakeholder sich auf eine gemeinsame Vision bzw. Bewertung einigen.

Nachbereitung

-

Gütekriterien/Empfehlungen

Wie bei jedem moderierten Workshop sollte der Moderator darauf achten, dass jeder Teilnehmer sich an den Diskussionen und der Bewertung der Attribute gleichermaßen beteiligt. Nach Erstellen der Philosophie ist darauf zu achten, diese in den Köpfen der beteiligten Personen zu verankern. Sie sollte während der Entwicklung/Verbesserung in Form eines Posters o.ä. jedem Teammitglied sichtbar sein Die Produktphilosophie soll Entscheidungen erleichtern und als Kommunikationsmedium dienen.

Risiken

Die Produktphilosophie dient als Kommunikationsmedium und Entscheidungshilfe. Es muss daher darauf geachtet werden, dass sie jedem involvierten Stakeholder bekannt ist und er mit dieser Philosophie übereinstimmt.

Einordnung in das PQ4Agile-Qualitätsmodell

Schlagworte

Produktphilosophie, User Experience Bewertung

Weiterführende Informationen

Informationen im Internet

Literatur

-