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Anforderungen wiederverwenden

Aus PQWiki


Schnelligkeit
★★★
Einfachheit
★★★
Agilität
★★★

Ziele

Die Ziele dieses B.P. sind:
  • Aufwand bei der Erhebung und Bearbeitung von (Kunden-)Anforderungen senken
  • Qualität der Anforderungen erhöhen
  • Entwicklungsrisiko senken

Motivation/Problemstellung

Durch die Wiederverwendung von Anforderungen können die Erfahrungen und Analyseergebnisse vergangener Projekte genutzt und der Anteil neu zu erhebender Anforderungen verringert werden. Dies senkt den Aufwand für die Anforderungs-definition und verkürzt die Entwicklungszeit. Übernommene Anforderungen, die qualitätsgesichert sind und zum gewünschten Ergebnis führten, vermindern zudem das Entwicklungsrisiko und tragen zur Qualitätsverbesserung der Produkte bei.

Kurzbeschreibung

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Neue Projekte haben oft eine große Ähnlichkeit mit vergangenen Projekten oder sie setzen direkt auf Vorgängerprojekten auf. Die Anforderungen, die im Rahmen dieser Projekte erhoben und dokumentiert wurden, werden bei dieser Aktivität vollständig oder teilweise übernommen, anschließend geprüft und bei Bedarf angepasst.

Input

Ausreichend formulierte Anforderungen aus Projekten mit gleichem oder ähnlichem Anforderungsprofil

Output

Geprüfte, qualitativ hochwertige Anforderungen

Rahmenbedingungen

Rolle (Ausführender)

Anforderungsingenieur

Werkzeuge, Hilfsmittel

durchsuchbare Anforderungsbibliothek oder Wissensdatenbank (optional)

Vorkenntnisse und Erfahrungen

Kenntnis vergleichbarer Systeme bzw. Projekte

Ort und Umgebung

Bildschirm-/Büroarbeitsplatz

Weitere Teilnehmer

-

Voraussichtliche Dauer

Abhängig vom Umfang der Anforderungen und der notwendigen Anpassungen

Vorgehensweise

Vorbereitung

Identifizieren Sie zunächst die passenden Anforderungen für Ihr Projekt. Oft wird ein Produkt nicht von Grund auf neu entwickelt (z. B. bei der Produktlinienentwicklung oder Entwicklung einer neuen Produktgeneration) und es können Standardanforderungen oder Anforderungen eines Vorgängerprodukts übernommen werden. Dies gilt vor allem für Anforderungen, die sogenannte Basisfaktoren (Funktionalitäten, die ein Produkt dieser Art erfüllen muss) oder Querschnittsfunktionen beschreiben. Oft können aber auch bei der Neuentwicklung existierende Anforderungen eines ähnlichen Produkts wiederverwendet werden. In Frage kommen funktionale Anforderungen, z. B. weil ähnliche domänenspezifische Prozesse abgebildet werden, aber auch nichtfunktionale Anforderungen, beispielsweise Kriterien für Erlernbarkeit, Verfügbarkeit oder Antwortzeiten.

Durchführung


Die Wiederverwendung kann darin bestehen, eine Kopie bestehender Anforderungen zu erstellen und diese im neuen Entwicklungsprojekt separat zu bearbeiten. Bei dieser Vorgehensweise ist meist nicht ersichtlich, was die Quelle der duplizierten Anforderung ist, und Auswirkungen der ursprünglichen Anforderung auf kopierte Anforderungsartefakte sind nur schwer nachvollziehbar. Es gibt allerdings auch Speziallösungen, die eine Referenzierung, Vererbung und Versionierung von Anforderungen bzw. Anforderungskatalogen ohne Duplizierung der Daten erlauben und die damit auch eine Nachvollziehbarkeit aller Änderungen ermöglichen.

Nachbereitung

Überprüfen Sie die Gültigkeit aller übernommenen Anforderungen. Findet keine Kontrolle der Anforderungen statt, so arbeiten Sie unter Umständen Anforderungen ein, die nicht in den neuen Projektkontext passen oder die bereits beim Altsystem zum Fehler führten.

Gütekriterien/Empfehlungen

Eine systematische Verwaltung der Anforderungen vergangener Projekte bzw. Produktentwicklungen erleichtert Ihnen die Suche nach geeigneten Anforderungen. Die Anforderungen können in Anforderungskatalogen zusammengefasst und in einer Anforderungsbibliothek oder Wissensdatenbank abgelegt werden. Anforderungen sind umso besser wiederverwendbar, • je technologieunabhängiger und unabhängiger von konkreten Projektgegebenheiten sie formuliert sind, • je homogener die Projekte bzw. die Produkte Ihres Unternehmens sind und • je weniger der Anwendungsbereich Änderungen unterworfen ist. Definieren Sie Regeln für die Erstellung wiederverwendbarer Anforderungen und verwenden Sie Anforderungsschablonen bzw. Satzschablonen als Formulierungshilfe. Dies trägt zur einfacheren Lesbarkeit, Standardisierung und Qualitätsverbesserung der Anforderungsbeschreibungen bei.

Risiken

Übernommene Anforderungen bilden in der Regel keine ausreichend breite Basis für die Entwicklung. Die Best Practice sollte daher immer mit anderen Erhebungsmethoden kombiniert werden, um die Gültigkeit der übernommenen Anforderungen abzusichern und um neue Anforderungen zu erheben. Formulieren Sie die Anforderungen zu generisch oder zu abstrakt, so besteht die Gefahr, dass die Anforderungen mehrdeutig oder missverständlich sind.

Einordnung in das PQ4Agile-Qualitätsmodell

Schlagworte

Reuse, Anforderungsermittlung, Anforderungsmanagement

Weiterführende Informationen

Literatur

Informationen im Internet

Literatur

  • Klaus Pohl, Chris Rupp (2010): Basiswissen Requirements Engineering. 2. Auflage. dpunkt, Heidelberg
  • Chris Rupp, die SOPHISTen (2014): Requirements-Engineering und -Management: Aus der Praxis von klassisch bis agil. 6. Auflage. Hanser, München